Ärgernisse im Straßenverkehr

Linksschleicher, Drängler und Blinkmuffel – jeder kennt sie! Hier verraten wir Ihnen, welche Fahr-Typen es gibt und was sie auszeichnet.

Die eigenen Fahrkünste sind immer die besten und deutsche Autofahrer sind im Ländervergleich selbstverständlich die begabtesten. Wie kommt es also, dass sich so viele täglich über das rücksichtslose und inkompetente Fahrverhalten anderer ärgern? Psychologisch betrachtet sind die emotionalen Reaktionen auf das vermeintliche Fehlverhalten der anderen leicht zu erklären. Das Auto als geschlossener Raum lässt die Hemmungen vor einem Wutausbruch sinken, da es nicht zu einer direkten Konfrontation mit dem Kontrahenten kommt. Auch die Geschwindigkeit, mit der man sich vom Ort des Geschehens wegbewegt, erhöht die Bereitschaft seiner Wut Ausdruck zu verleihen. Wer zu Fuß unterwegs ist, wird sich wohl gut überlegen, ob er jemanden beschimpft oder es doch lieber diplomatisch versucht. Das Bewegen eines Fahrzeugs im Straßenverkehr erfordert zudem höchste Konzentration und sorgt für eine gewisse Grundanspannung. Kommen noch weitere Stressfaktoren wie Müdigkeit, Zeitdruck oder Hitze hinzu, steigt die innere Anspannung deutlich an. Das sind die Momente, in denen das Fahrverhalten der anderen Verkehrsteilnehmer ein willkommenes Ventil darstellt – es wird nach Herzenslust geschimpft und geflucht. Doch was sind eigentlich die größten Ärgernisse auf den Straßen? Die schlimmsten Aufreger haben wir im Folgenden zusammengestellt.

Der Blinkmuffel

Der Blinkmuffel ist ein geheimnisvoller Geselle. Das Ziel seiner Fahrt geht niemanden etwas an, beim Spurwechsel setzt er auf den Überraschungseffekt und sein Ausparken wird zum Spontanevent. Beim Verlassen des Kreisverkehrs blinken? Energieverschwendung! Die Erklärung für dieses Verhalten ist wohl der Eindruck, man habe die Situation völlig unter Kontrolle. Blinkmuffel entscheiden für jeden Einzelfall selbst, ob sie es für nötig erachten, den Blinker zu betätigen. Besonders bei viel Abstand zum Hintermann oder bei abbiegender Vorfahrtsstraße zeigt sich dieses Verhalten. Dabei ist das Anzeigen einer Fahrtrichtungsänderung wie Fahrstreifenwechsel, Abbiegen, An- und Abfahrten vom Fahrbahnrand sowie das Verlassen eines Kreisverkehrs verpflichtend. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld von 10 Euro rechnen.

Elefantenrennen auf der Autobahn

Tatort zweispurige Autobahn: Ein Lkw schert aus und setzt zum Überholvorgang an. Nun bleibt genug Zeit, um in Gedanken die Einkaufsliste durchzugehen, das letzte Meeting Revue passieren zu lassen oder ein mehrminütiges Telefongespräch per Freisprechanlage zu führen. Da die Lkw auf eine Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h gedrosselt sind, können sich diese sogenannten „Elefantenrennen“ über mehrere Minuten hinziehen und beide Fahrstreifen blockieren. Sehr zum Ärgernis deutlich schneller fahrender Pkw-Halter. Trotzdem lassen sich Lkw-Fahrer durch monotones und ermüdendes, stundenlanges Hinterherfahren und starken Zeitdruck immer wieder dazu verleiten, weil sich jedes Überholmanöver wie ein kleines Erfolgserlebnis anfühlt. Der Gesetzgeber hat dem allerdings einen Riegel vorgeschoben: Das Überholen mit zu geringer Differenzgeschwindigkeit ist verboten. Ein erlaubter Überholvorgang dürfte demnach nicht mehr als 45 Sekunden dauern.

Drängler und Raser

Wie aus dem Nichts erscheint der sportliche Wagen im Rückspiegel und macht mit Lichthupe auf sich aufmerksam. Dicht an die Stoßstange des Vordermanns geheftet, versuchen die Drängler und Raser die Überholspur für sich zu beanspruchen und werden damit von Autofahrern als besonderes Ärgernis wahrgenommen. Wird man von einem PS-starken Gefährt in die Mangel genommen, kann der Adrenalinspiegel schon einmal in die Höhe schießen – nicht umsonst erfüllt dieses Verhalten mitunter den Tatbestand der Nötigung und stellt eine Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer dar. Zeitdruck und eine gewisse „fahrerische Arroganz“ sind hier häufig die Ursachen. Ein PS-starkes Auto will gefahren werden und langsamere Autofahrer sind da ein Dorn im Auge. Rechtlich gesehen ist die Situation eindeutig: Der Sicherheitsabstand zum Vordermann sollte mindestens einen „halben Tacho“ betragen. Wer diesen Abstand unterschreitet, riskiert  Punkte in Flensburg, ein Bußgeld und ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten.

Linksschleicher, Rechtsüberholer & Mittelstreifenfahrer

Bisweilen kann man den Drängler auch verstehen – nämlich dann, wenn auf der rechten Spur gähnende Leere herrscht, Mittel- und Überholspur aber trotzdem konsequent befahren werden. Der unfreiwillig entstehende Autokorso beeindruckt die Linksschleicher und Mittelstreifenfahrer dabei wenig. Ungeduld bewegt so manchen Autofahrer dann zum Rechtsüberholen – ein  verbotenes Manöver. Auch wenn das ständige Befahren der Mittel- und Überholspur bequem sein mag – auf der Autobahn herrscht das Rechtsfahrgebot. Nach jedem Überholvorgang muss sich der Fahrer wieder rechts einordnen, selbst wenn dort wiederholt mit zu überholenden Lkw zu rechnen ist. Eine Ausnahme gibt es: Wenn die linke Fahrzeugschlange „steht oder langsam fährt“, bei maximal 60 km/h, darf rechts geringfügig schneller überholt werden.

Reißverschlussverfahren

Wenn Baustelle oder Unfall die Straße blockieren und eine Spur gesperrt ist, kommt das Reißverschlussverfahren zur Anwendung. Prinzipiell ein wenig komplexer Vorgang und doch scheitern täglich viele Autofahrer daran. Sobald sich die Fahrbahn verengt, packt einige Verkehrsteilnehmer die nackte Panik: Sofort wechseln sie auf die bestehenbleibende Spur. Fahrer, die bis zum Spurende weiterfahren, um dann einzuscheren, ernten im besten Fall böse Blicke, bisweilen werden sie sogar am Einfädeln gehindert. So entstehen immer wieder vermeidbare Rückstaus. Häufig ist dieses Verhalten tatsächlich auf Unkenntnis zurückzuführen – die zu früh wechselnden Fahrer fühlen sich im Recht. Tatsächlich müssen sich die Fahrzeuge unmittelbar vor der Verengung abwechselnd hintereinander einfädeln. Wer einen anderen Fahrer gezielt am Einfädeln an der vorgesehenen Stelle hindert, behindert damit den Straßenverkehr.

Mit gutem Beispiel voran!

Die Liste der Ärgernisse im Straßenverkehr ist damit sicherlich nicht erschöpft. Immer wieder kommt es zu Situationen, die den Puls in die Höhe treiben. Grundsätzlich sollte man ständige Vorsicht und Rücksichtnahme walten lassen und immer mit Fehlern der anderen Verkehrsteilnehmer rechnen. Sich darüber aufzuregen bringt nur kurzfristig ein wenig Erleichterung. Besser ist es, dem Ganzen gelassen gegenüber zu stehen und es selbst besser zu machen.

Um unerwartete Situationen im Straßenverkehr besser zu bewältigen und für ein sicheres Gefühl im Fahralltag, bietet sich ein ADAC Fahrsicherheitstraining an.